Spotmarkt eröffnet Chancen für Strom-Einkäufer

Wo die aktuelle Corona-Pandemie viele Unternehmen benachteiligt, eröffnet sich für andere auch eine Chance zur Kosteneinsparung. Ganz konkret im Stromeinkauf. Denn wer frühzeitig auf einen hohen Spotmarktanteil gesetzt hat, profitierte zuletzt im April von besonders niedrigen Strompreisen von unter 2 Cent/kWh. 

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(Lesezeit ca. 2 Minuten)


Autor: Urs Neuhöffer, Geschäftsführer succedo Unternehmensberatung GmbH
13.05.2020




Die Großhandelspreise für Strom kannten seit April 2017 nur eine Richtung: Die nach oben. Ab Juli des letzten Jahres trat dann eine gewisse Entspannung auf zunächst hohem Niveau ein. Viele Unternehmen nutzten das anschließend leichte Nachlassen der Preise für die Beschaffung von Strom - etwa mit Festpreis- oder Tracheneinkäufen für 2020 und ff..

Doch die böse Überraschung lauerte erst in diesem Jahr. Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Rohstoff-Märkte getroffen, sondern auch die Energiemärkte in Mitleidenschaft gezogen. Ein rasanter Preisabsturz war die Folge, dessen Tiefstpreis am Beispiel Strom für die Belieferung im Jahr 2021 am Handelstag des 22.03.2020 mit nur noch 3,465 Cent/kWh erreicht wurde (Phelix year base CAL-21). Zur Erinnerung: Noch im Juli 2019 notierten die Kurse für das gleiche Handelsprodukt bei 5,129 Cent/kWh. Seit dem haben sich die Preise zwar leicht erholt, notieren aber immer noch bei relativ niedrigen 3,553 Cent/kWh am Abend des 13.05.2020.

Welche Folgen hat das für ein stromintensives Unternehmen? 

Für das laufende Jahr 2020 im Grunde keine, den die Beschaffung ist in der Regel bereits 2019 oder noch früher erfolgt. Das niedrige Preisniveau kann also nur für die Zukunft genutzt, konkret für einen neuen Stromliefervertrag, der nach Ablauf des gegenwärtigen Vertrages einsetzt, je nach individueller Situation also 2021, 2022 oder 2023.

Anders hingegen bei den Unternehmen, die bereits frühzeitig auf ein Beschaffungsmodell mit hohen Spotmarktanteil gesetzt haben. Der Spotmarkt – der „wahre“ Markt für Strom – bildet die Preise für die tägliche Erzeugung, Handel und Verbrauch ab. Wo der Terminmarkt - als Grundlage für die weit verbreiteten Festpreisverträge - versucht, einen Preis für die Zukunft zu bilden, reagiert der Spotmarkt unmittelbar auf Angebot und Nachfrage. Man kann das sehr schön mit der Buchung eines Hotelzimmers vergleichen: Bucht man heute ein Hotel für bspw. das kommende Jahr, so spricht man von einem Terminmarktgeschäft. Gast und Hotelier vereinbaren den Preis für eine Leistung (hier die Übernachtung), deren Erfüllung aber erst in Zukunft stattfindet. Ob zu diesem Zeitpunkt in der Zukunft der Preis noch marktgerecht ist, sieht man erst, wenn es soweit ist. Anders die heutige Buchung eines Hotelzimmers, welches der Gast direkt heute oder spätestens morgen beziehen will. Hier ist Preisbildung der Hotels aufgrund der aktuellen Auslastung und der Wettbewerbssituation anderer Hotels am Ort ausschlaggebend. Der Vertrag wird also geschlossen und die Leistung wird unmittelbar abgerufen. Und niemand würde als Gast für eine Übernachtung 150 EUR zahlen, wenn alle anderen vergleichbaren Hotels nur 75 EUR / Nacht verlangen. Im übertragenen Sinne ist dies ein Spotmarktgeschäft. 

Wie aber können Kunden am Spotmarkt konkret profitieren? 

Der direkte Vergleich macht es deutlich. Hat ein Unternehmen bspw. im Juli 2019 einen Stromliefervertrag für das Jahr 2020 zu einem Festpreis abgeschlossen, so wird der damals für heute (und das ganze Jahr 2020) vereinbarte Strompreis bei deutlich über 5 Cent die Kilowattstunde liegen (zzgl. den bekannten Netzentgelten, Steuern, Abgaben und Umlagen). Ob der Markt zwischenzeitlich nachgelassen hat oder nicht, spielt für diese Vertragsart keine Rolle. Fairer halber muss man sagen, dass auch zwischenzeitliche Preissteigerungen keine Auswirkungen hätten.

Ein Kunde mit Spotmarktmodell hingegen hat nicht einen festen Preis über die Laufzeit. Vielmehr wird der Stromverbrauch je Stunde exakt zu dem Preis abgerechnet, der für diese Stunde an der Spotmarktbörse (-> EPEX, Paris) notiert wurde. Mithin kann es 8.760 unterschiedliche Preise pro Jahr geben; denn soviele Stunden hat das Jahr (Schaltjahre ausgenommen). Das klingt erst einmal kompliziert. Ist es zumindest im Bereich des nachgelagerten Rechnungscontrollings ganz ohne Hilfe auch. Aber es kann sich lohnen. Denn der Spotmarkt hat nicht nur im Jahr 2020 ein deutlich geringeres Preisniveau geboten als der Terminmarkt. Nur 2,423 Cent je kWh im Durchschnitt zwischen 01.01. und 30.04.2020. Wobei der April sogar für sich genommen noch günstiger war: Gerade mal 1,709 Cent / kWh lautete hier der Mittelwert. 

Wie wird der Energiepreis im Spotmarktmodell berechnet?

Da im Spotmarkt für jede Stunde des Tages ein anderer Preis gelten kann, wird der kundenseitige Kilowattstundenverbrauch je Stunde mit dem Spotmarkt-Börsenpreis der betreffenden Stunde multipliziert. Der Spotmarkt folgt unmittelbar Angebot und Nachfrage, daher ist es nicht verwunderlich, dass werktags und tagsüber die Spotmarktpreise i.d.R. höher ausfallen als abends, nachts oder am Wochenende, wenn insbesondere die Industrie weniger Strom verbraucht. Aber selbst an dem konkreten Beispiel eines produzierenden Gewerbes fällt der am typischen Industrielastgang zeit- und mengengewichteter Spotmarktpreis für den Monat April sehr attraktiv aus: Gerade einmal 1,822 Cent stehen am Ende des Monats auf der Rechnung. Hinzu kommt der Aufschlag, den der Stromlieferant je Kilowattstunde verlangen wird, da der Börsen-Spotmarktpreis je Stunde ansonsten netto durchgereicht wird. Üblicherweise liegt dieser Aufschlag je nach Verbrauchsgröße des Kunden um die 0,15 Cent - mal mehr, mal weniger. In unserem Beispiel zahlt der Kunde also unter 2 Cent je kWh für seinen verbrauchten Strom. Ein gutes Geschäft im Vergleich zu dem Abschluss eines Festpreises am Beispiel des Juli 2019 zu mehr als 5 Cent. 

Rechnet sich Spotmarkt für jedes Unternehmen?

Das kann man nicht pauschal bewertet. Ausschlaggebend ist das individuelle Verbrauchsprofil. Besonders profitieren naturgemäß solche Unternehmen, die auch in den Nebenzeiten und am Wochenende anteilig viel Strom verbrauchen. Beispielsweise Hotels, Krankenhäuser und alle Unternehmen mit einem 3-Schicht-System. Aber auch die klassischen Verbrauchsmuster werktags von 9 bis 17 Uhr können erhebliche Einsparungen realisieren. Abklären lässt sich das individuelle Einsparpotenzial über einen Mehrjahresvergleich der historischen Spotmarktpreise mit den zurückliegenden Lastgangdaten – ideal für mind. 3 bis 4 Jahre der Vergangenheit. Häufig genug ergeben sich gegenüber einem klassischen Festpreismodell Preisdifferenzen - wie in unserem Beispiel oben - von bis zu 3 Cent auf die Kilowattstunde. 

Je 1 Million Kilowattstunde an Jahresverbrauch also bereits 30.000 EUR p.a. Einsparungen – für die identische Leistung.

Chancen und Risiken im Spotmarktmodell

Da der Spotmarkt ein volatiles Preisinstrument ist, kann der Nutzer sowohl von sehr niedrigen – teilweise sogar negativen Stundenpreisen – im erheblichen Umfang profitieren. Andererseits kennt der Spotmarkt aber auch Ausschläge nach oben, die über dem Terminmarktniveau liegen können - das aber i.d.R. nur für eine bestimmte Anzahl an Stunden pro Jahr. Wie immer im Leben gibt es also die Chancen nicht ganz ohne Risiko. Bei den allermeisten Risikobewertungen fällt das Urteil jedoch eindeutig zugunsten der Einsparpotentiale aus.

Zudem bieten einige Modelle am Markt auch die Mischung aus Termin- und Spotmarkt an. Dabei kann der Kunde für einen bestimmten Anteil seines Jahresverbrauchs ein sogenanntes Band einkaufen - bspw. für ein Jahr, ein Quartal oder auch einzelne Monate. Beispielsweise ein Jahresband für die ersten 500 kW Leistung am Tag. Diese werden dann zu einem Festpreis abgerechnet. Der darüber hinaus gehende Verbrauch wird automatisch zum Spotmarkt abgerechnet. Umgekehrt: Bezieht der Kunde wie in unserem Beispiel weniger als 500 kW Leistung in einer Stunde, wird die Differenz zwischen der tatsächlichen Leistung und der zum Festpreis bereits eingekauften Leistung dem Kunden zu Spotmarktpreisen wieder erstattet. 

Ein weiterer Vorteil:  Bei Spotmarktmodellen entfällt i.d.R. das sog. Toleranzband. Mit anderen Worten geht der Kunde kein Risiko bzw. Kostennachteil ein, sollte der ursprünglich geplante Stromverbrauch nicht eintreffen.

Fazit

Besonders Unternehmen, die entweder in Nebenzeiten und/oder am Wochenende Strom verbrauchen oder die über ihren Jahresverbrauch (man kann sagen ab 2 GWh/a) einen entsprechend großen Mengenhebel haben, sollten die Möglichkeiten eines Spotmarktmodells prüfen. 

Je nach individueller Risikostrategie mit oder ohne Festpreisanteil für ein Band. Wir helfen Ihnen auf Wunsch gerne mit einer Chancen- und Risikoanalyse weiter. Dazu werden Ihre individuellen Verbrauchsdaten (Lastgangdaten) über die letzten fünf Jahre mit den historischen Spotmarktpreisen ausmultipliziert. 

Das berechnete Ergebnis kann dann ganz objektiv mit Ihren zurückliegenden Strompreisen verglichen werden. Daraus werden die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Spotmarktmodells für Ihr Unternehmen sehr gut sichtbar.


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